Geselligkeit und Diabetes: Spaß haben und die Blutzuckerwerte im Griff behalten
Familienfeiern, Abendessen mit Freunden, Geburtstagsfeiern. Das sind Momente der Geselligkeit, der Entspannung und des Genießens. Aber bei Menschen mit Diabetes können solche Anlässe auch Ängste auslösen: Unbekannte Lebensmittel, geänderter Tagesablauf... Wie soll man da entspannt genießen können?
Die gute Nachricht: Wenn Sie sich vorab informieren, etwas planen und einfache Strategien nutzen, können Sie solche Anlässe in vollen Zügen genießen. Wer versteht, wie Essen, Alkohol und das Umfeld auf den Körper wirken, geht sorgenfrei durch den Abend. Wenn Sie Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem medizinischen Betreuer darüber, ob bei Veranstaltungen mit großen Mahlzeiten oder Alkohol Anpassungen erforderlich sind.
1. Planung ist der Schlüssel zum Spaß & Genuß
Seien Sie bei der Vorbereitung auf ein gesellschaftliches Ereignis ganz entspannt. Es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen, um sicherzustellen, dass Ihr Körper wie geplant reagiert.
Wenn der Anlass eine Mahlzeit beinhaltet, ist es hilfreich zu wissen, wann diese serviert wird, und sich wenn möglich im Voraus über das Menü zu informieren. So wissen Sie schon vorher, welche Lebensmittel Sie auswählen können, wie viele Kohlenhydrate Sie einkalkulieren sollten und ob Sie Ihre Insulindosis anpassen müssen¹.
Es ist auch ratsam, vor dem Anlass keine Mahlzeit auszulassen. Wenn Sie hungrig ankommen, kann das dazu führen, dass Sie zu viel essen und die Kontrolle verlieren. Ein kleiner Snack vor dem Aufbruch - z.B. Obst oder ein Joghurt - hilft, Ihren Glukosespiegel zu stabilisieren und nach Ihrem Eintreffen am Veranstaltungsort bessere Entscheidungen zu treffen¹.
Bei längeren Veranstaltungen kann es nützlich sein, einen Snack oder eine Portion schnell wirkende Glukose (z.B. Traubenzuckertabletten oder Saft) bereitzuhalten, falls der Glukosespiegel abfällt¹.
2. Treffen Sie bewusste Entscheidungen in Bezug auf Ihr Essen und genießen Sie ohne Übermaß
Zu den größten Herausforderungen bei gesellschaftlichen Anlässen gehören Buffets oder Mahlzeiten mit großen Portionen. In der Regel umfassen sie fettreiche Gerichte und schnell absorbierte Kohlenhydrate (einschließlich Zuckerzusatz), die den Glukosespiegel in die Höhe schießen lassen.
Das heißt nicht, dass Sie auf Geschmack verzichten oder sich ausgeschlossen fühlen müssen. Der Schlüssel ist eine bewusste und sorgfältige Auswahl:
- Entscheiden Sie sich für kleine Portionen: Sie können mehrere Gerichte probieren, aber in kleineren Mengen.
- Füllen Sie die Hälfte Ihres Tellers mit frischem, gedünstetem oder gegrilltem Gemüse².
- Nehmen Sie mageres Eiweiß zu sich: Hühnerfleisch, Fisch, Eier und Hülsenfrüchte tragen zum Ausgleich des Glukosespiegels bei².
- Verzichten Sie auf raffinierte Kohlenhydrate wie Weißbrot, Reis oder zuckerhaltige Süßspeisen. Wenn Sie diese dennoch essen möchten, achten Sie darauf, dass die Mengen klein sind und dass sie immer von Ballaststoffen oder Proteinen begleitet werden².
- Versuchen Sie, auf Nachschläge zu verzichten: Essen Sie langsam und warten Sie ein paar Minuten, bevor Sie mehr essen. Der Körper braucht oft ein bisschen, bis ein Sättigungsgefühl eintritt².
Denken Sie daran, dass Genuss nicht nur vom Essen abhängt. Sich mit anderen auszutauschen, zu lachen und sich mit ihnen verbunden zu fühlen, ist auch eine Form des Genießens.
3. Alkohol: Immer in Maßen
Als Mensch mit Diabetes müssen Sie sich beim Alkoholkonsum in Zurückhaltung üben. Alkohol ist zwar nicht verboten, aber Sie müssen verantwortungsbewusst handeln. Alkohol kann den Glukosespiegel gefährlich senken, vor allem wenn er auf nüchternen Magen oder nach einer schweren Mahlzeit konsumiert wird.
Vermeiden Sie Risiken:
- Trinken Sie nicht auf nüchternen Magen. Begleiten Sie den Alkohol mit Nahrungsmitteln, die komplexe Kohlenhydrate enthalten.
- Wählen Sie alkoholische Getränke mit geringem Zuckergehalt. Trockene Weine, Bier oder Spirituosen mit Mineralwasser sind besser geeignet als Cocktails oder süße Mischungen³.
- Trinken Sie in Maßen. Die allgemeine Empfehlung lautet: Ein alkoholisches Getränk pro Tag für Frauen und bis zu zwei für Männer³.
- Messen Sie Ihren Blutzucker vor und nach dem Trinken. Und wenn Sie ein oder zwei Gläser getrunken haben, überprüfen Sie Ihre Werte auch vor dem Schlafengehen, weil das Risiko einer nächtlichen Hypoglykämie erhöht ist³.
Mäßiger Alkoholkonsum dient nicht nur Ihrer Gesundheit, sondern ermöglicht es Ihnen auch, eine Feier ohne negative Folgen zu genießen. Wenn Sie ein CGM verwenden, sollten Sie nach dem Genuss von Alkohol über Nacht die Alarmfunktion für Unterzuckerung einstellen. Es ist wichtig, einen sicheren Glukosespiegel aufrechtzuerhalten und bei Fragen Ihr Diabetes-Team zu konsultieren.
4. Das soziale Umfeld: Druck, Gefühle und Entscheidungen
Die größten Herausforderungen liegen nicht unbedingt in den Nahrungsmitteln, sondern eher in der sozialen Dynamik. "Probier doch mal von dem Kuchen", "Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren", "Vergiss die Diät für heute". Kommentare wie diese können Unbehagen auslösen und Zweifel säen.
Vergessen Sie nicht, dass Diabetes kein Hindernis ist, sondern ein gewisses Bewusstsein erfordert. Eine vorbereitete Antwort wie: "Sicher, ich probiere nur ein bisschen" oder "Heute halte ich mich lieber zurück, damit ich mich morgen gut fühle" kann Ihnen helfen, an Ihren Entscheidungen festzuhalten, ohne sich verurteilt zu fühlen.
Außerdem muss nicht jeder alle Details über Ihren Zustand kennen. Sie entscheiden, was Sie wem wann mitteilen. Sich dabei gut und begleitet zu fühlen, ist genauso wichtig wie die Kontrolle Ihres Blutzuckers.
Wenn Sie sich mit Menschen umgeben, die Ihre Entscheidungen verstehen und respektieren, macht geselliges Beisammensein noch mehr Spaß. Einfühlungsvermögen, sich selbst und anderen gegenüber, ist Ihr bester Verbündeter. Die Teilnahme an einem Diabetes-Schulungsprogramm oder einer Peer-Support-Gruppe kann auch das Selbstvertrauen im Umgang mit geselligen Anlässen stärken.
5. Anschließende Analyse
Nach einem Event kann es sinnvoll sein, zu prüfen, wie Sie sich gefühlt haben und wie Ihr Körper reagiert hat. Gab es irgendwelche Nahrungsmittel oder Getränke, die einen unerwarteten Anstieg oder Abfall Ihres Blutzuckerspiegels verursacht haben? Hat der Alkohol Ihre Werte am nächsten Tag beeinflusst? Haben Sie sich unter Druck gesetzt gefühlt, zu essen oder zu trinken?
Wenn Sie über solche Dinge nachdenken, können Sie daraus lernen und künftige Erfahrungen verbessern. Diabetes verlangt keine Perfektion, nur konsequente Aufmerksamkeit und bewusste Entscheidungen¹.
Mit der Zeit werden Sie wissen, was für Sie am besten funktioniert, welche Lebensmittel Sie gut vertragen und wie Sie Ihre Strategie an die Art des Anlasses anpassen können. Jede Erfahrung zählt. Eine gute Empfehlung wäre zum Beispiel ein leichter Spaziergang nach der Mahlzeit, um den Glukosespiegel zu regulieren und die Verdauung zu unterstützen.
Spaß haben ist möglich, auf sich selbst achten auch
Mit Diabetes zu leben bedeutet nicht, dass man sein Leben nicht weiterhin genießen kann. Mit guter Planung, gut bewussten Entscheidungen und etwas Flexibilität können Sie jede Feier genießen, ohne Ihre Gesundheit zu gefährden.
Wenn Sie vernünftig essen, in Maßen trinken und sich bewegen, können Sie solche Momente mit Freude und Selbstvertrauen genießen. Schließlich ist auch die Pflege der Gesundheit eine Möglichkeit, das Leben zu feiern. Diese Empfehlungen gelten sowohl für Typ-1- als auch für insulinbehandelten Typ-2-Diabetes. Ihr Diabetes-Team kann Ihnen helfen, diese an Ihren persönlichen Kontext anzupassen.
Quellen
- Michigan State University Extension. (2021). Tips for managing diabetes when eating at events. https://www.canr.msu.edu/news/tips-for-managing-diabetes-when-eating-at-events
- Centers for Disease Control and Prevention. (2022). Diabetes meal planning. U.S. Department of Health & Human Services. https://www.cdc.gov/diabetes/healthy-eating/diabetes-meal-planning.html
- Diabetes UK. (n.d.). Alcohol and diabetes. https://www.diabetes.org.uk/living-with-diabetes/eating/what-to-drink-with-diabetes/alcohol-and-diabetes